Harry Vorjee


Hier bist du im Garagenbereich vom Harry Vorjee.
( Stephan S. )




  
                   Was macht man als 10 Jähriger, während ein ausgekochtes Schlitzohr in einem Trans Am mit einer blonden Schnitte auf dem Beifahrersitz über den Highway driftet und über abgerissene Brücken springt, wenn Mr.T im GMC Van mit quietschenden Breitreifen über Sandwege schlittert und ein unbekannter Stuntman mit der vollbusigen Bonny auf der Ladefläche seines monsterbereiften GMC Pickup gefühlt über dreistöckige Hochhäuser springt

Andere feierten sich selbst zu dieser Zeit als Fussball Weltmeister, kratzen jedes Bildchen aus etlichen Haselnussschnitten und langen Pralinen um sie dann auf jede Schulbank zu kleben, die noch 25 Quadratzentimeter Platz zwischen Kaugummis und anderen Bildern heute gescheiterter Fussballexistenten hatte.

Ich dagegen habe mich auf dem Beifahrersitz von Bandit, BA Baracus, Colt Seavers und vielen anderen auf die linke Spur führen lassen und das Gehirn mit ihren Abgasen auf Petrolhead gepolt.

An das fahren solcher Schlitten war natürlich noch lang nicht zu denken, und das es die Teile nicht von der Stange gab, war mir auch schnell klar. Von da an hieß das Credo zur Fortbewegung: " Willst du was geiles fahren, mußt du das selber bauen oder teuer zahlen ! "

Da fing man dann an etliches Zeugs von den Müllkulen nach Haus zu schleppen um nach eigener Aussage etwas draus zu bauen, was einem die Tränen der Glückseeligkeit in die Augen schießen lässt. 

Mein damaliges Highlight war wohl der Umbau eines 26" Fahrradrahmen mit Gabel, Schwinge und Räder eines Simson SR2.  Die großen und ungläubigen Augen meines Umfeldes waren mir damit sicher.
Um 1990 rum gab es da wo ich wohnte ein Fahrrad mit Federung und so dicken Reifen nicht für Geld und gute Worte.

Es dauerte nicht lang, bis man aus dem Gerümpel von der Kippe nach vielen verbogenen Schraubenschlüßeln und mit der Feile nachgeschnittenen Gewinden das erste Moped am laufen hatte. Damit begann für mich die Freiheit und der Ausbruch aus der kleinen Welt zwischen den beiden Ortsschildern. Ich glaube kein Taxifahrer kannte in seiner Stadt mehr Schleich- und Fluchtwege als wir mit 14 Jahren die Wald- und Feldwege im Umkreis von 30km. Damals lernten wir uns selbst zu helfen und zu improvisieren. Denn auf Entdeckungsfahrten von neuen Wegen gab es keine Unterstützung auf dem Smartphone mit Google-Maps, man versuchte nach jeder Kurve so einigermaßen die Himmelsrichtung in Richtung Heimat im Kopf zu behalten und ob der geklaute Sprit im Tank auch noch bis zurück reichen würde.
Und wenn der Bock gefühlte 15km von zu Haus mal mitten im Wald streikte, konnte man sich auch auf keine windigen Schraubertips aus dem Internet verlassen, schlicht weil es keine gab. Dann hieß es 13er Maul/Ring, ne Rolle Draht und weiter ging die Fahrt. Und wenn eben nicht, dann wurde mit einem anderen Moped  abgeschleppt.

Aus den zahllosen Lehrfilmen vom A-Team und dem Bandit hatte man sich gemerkt, wie man sich auf der Flucht vor windigen und halbstarken Cop´s verhält und so wurde man in all den Jahren auch nicht geschnappt und konnte darum pünktlich mit 18 Jahren auch seinen Lappen in die Tasche stecken, wo sonst immer nur der letzte zerknüllte 20 Mark Schein zusammen mit der ERNTE 23 Schachtel für 5 Mark steckte.
Mit dem ersten eigenen Auto durfte man nun endlich auch auf der Straße die ganzen halsbrecherischen Fahrmanöver bringen, die man sonst nur auf dem Acker hinterm Dorf manifestierte. Zum Beispiel konnte man ungläubigen zeigen, dass man mit einem frontgetriebenen Fahrzeug mit Hilfe der Handbremse auch quer durch eine Kurve zirkeln kann und die Rockford Wende theoretisch auch auf einer einspurigen Anliegerstraße klappt. Es waren einige male, dass der Corsa A  vom Totalschaden noch einmal zu einem Auto gedengelt wurde.

Auf dem heiligen Weg in die subkulturelle Freefusselansaugkanäle habe ich mich auch schon mal komplett verfahren. Ihr kennt das, man fährt etliche Kilometer um dann am Zielort fest zu stellen, dass man sich da gar nicht wohl fühlt. So ging es mir mit meinem 1er GTI, den ich Anfang 2000 in damals total angesagtem Stil aufbaute. Sogar im super trendigem farbwechselnden  Flip-Flop Latschen Lack.
Aber mit den typischen Bling-Tuning-Kevins, die dir dann erzählen wollten, dass ein Truetuningcar immer auch verchromte und vergoldete Anbauteile, natürlich auch am Unterboden wo sie keiner sieht, im Wert des Bausparvertrages von Oma haben muß, bin ich einfach nicht auf einen  Zündzeitpunkt gekommen.

Zu dieser Zeit tauchte immer mal wieder ein Typ in Print und TV auf, mit total verschärften Umbauten, wie nen K70 Pickup oder einem Käfer "Monsterbug" bis hin zu einem HotWheels T2a Bus. Damals sah ich zum ersten mal, was ich wirklich toll fand und mein Superverbleites Herz ein paar Oktane schneller schlagen ließ. 

DANKE PETER

Auch mutierten einige Mitglieder der damals mir völlig unbekannten, weil Meilenweit entfernten Parkplatzraver-Bewegung (wie gesagt, das Internet war damals noch teilweise als vorübergehende Modesünde verschrien  ) zur Autopunkbewegung und gründeten die
MOTORAVER
Auch deren Zündparameter deckten sich stark mit meinen, stylisch in Altkarren unterwegs sein, statt Karren zu bauen die man aus Angst vor Wertverlust nicht mehr aus der klimatisierten Garage holt.

Einiges, was ab da an in meinem Altblechleben geschah und geschieht kann man nur hier verfolgen.
Viel Spaß dabei.