Rekord Berta


Der Monsterrekord und ich, ...

Kommen wir hier zur Fortsetzung von Monstis Bericht.

http://oldschool-fusseltuning.de.tl/Rekordnutte.htm

Für mich, fing das mit dem Rekord damals so an, wie so viele Geschichten im heutigen Internetzeitalter, ich cruiste nach einem Schrauberabend auf dem Sofa sitzend noch etwas durch´s Netz.

Ich war nicht auf der Suche neuer Projekte, sondern eher nach Inspirationen. Und so trudelte ich in dem Blog ein, in dem der Monsterbacke damals noch über die Geschichten in und rund um seiner Schrauberhalle berichtete.

Einige umfassende Eingriffe in die vom Opelgold reichlich zermorkste Struktur des Rekords waren da schon geschehen. Nach dem Abend, war ein täglicher Blick auf diese Seite für mich Pflicht, wollte ich doch wissen, wie der Monsterbacke an dem Fahrzeug seinem Namen alle Ehre machen wollte.

Irgendwann kam man in Kontakt und wir bestritten sogar zusammen einen Messestand auf der Techno Classica in Essen um das Fusseltuning der breiten Masse zu präsentieren.

Nach dem es dann einige Zeit ziemlich ruhig um den Rekord geworden ist, bekam ich mit, dass der Wagen in gute Hände gehen oder zerrissen werden sollte. Ein Schreddern des Wagens, wollte ich mir nicht vorstellen, und dass er in irgend einer dunklen Ecke verrotte, weil es für den neuen Besitzer doch fünf Nummer zu groß ist, wollte ich nicht riskieren. Wie wäre es also, wenn ich mir den Wagen selber anlache ? Ich setzte mich mit trüber Linse am Sonntag morgen in den Zug ( die Party am Vorabend war lang und feucht ) um nach 3 Stunden beim Monsterbacke am Küchentisch bei Kaffee und Kuchen zu sitzen. Es war ein schöner Tag ich begutachtete alles was zu Wagen gehörte und wir warfen uns die Preise um die Ohren bis selbige bluteten. Als ich mich am Abend auf dem Weg nach Haus machte, hatten wir beide ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Der Peter, weil es für Ihn kein Ende mit Schrecken war, und er sein Hobby wieder mit Spaß angehen konnte und ich, weil ich ein neues Projekt hatte, wo ich nie mit gerechnet hatte.







Im Oktober, pünktlich zu Beginn der Schraubersaison  stand der Rekord also in meiner Werft. Bestandsaufnahme war angesagt und die fiel recht positiv aus. Das die Technik eine komplette Neubestückung von Ersatz- und Verschleißteilen verlangte wußte ich ja vorher schon und die Begutachtung des Blechs zeigt mehr und mehr positive Ecken.  Monsti hatte echt gründliche Vorarbeit geleistet und dem Konstruk wieder ordentlich Stabilität verpasst.  Als echte „Mußschweißarbeiten“  fanden sich nur noch die vordere Quertraverse samt Stabiaufnahme , die Stabiaufnahme der Hinterachse und die Innenkotflügel der hinteren Radkästen.

Konnte ich also auch gleich eine Liste mit den zusätzlichen Blecharbeiten anfertigen, da standen dann Dinge wie : neue Schwellerblenden mit gekürzten Türen, Motorhaube mit Knudsennase und noch so ein paar anderen Spielerein.

 













Nach dem ganzen Blitzen und blinken und Funken von Flex und Schweißgerät, war ich froh mich nun der Technik zuwenden zu können.  Die Achsen wurden natürlich alle erst einmal mit neuen Gummis und Lagern versehen. An der Hinterachse wurden Federn vom Mercedes 123 T-Model verbaut. Diese sind vom Durchmesser und Drahtstärke  wie die des Rekords, jedoch um einiges härter und höher. Um das noch zu unterstützen, wurden die Stoßdämpfer durch High-Jackers ersetzt. An der Vorderachse hingegen, kamen kürzere Federn zum Einsatz. Offiziel gibt es für den C Rekord nur Tieferlegungsfedern von Weidner zu denen es ein Gutachten gibt. Zum Glück, gibt es aber technisch sehr interessierte und versierte TÜV-Ingenieure, die sehen und verstehen, dass die Federn vom C-Rekord und die des B-Mantas vom Aufbau im Gesamtdurchmesser und Drahtstärke absolut gleich sind.  Wenn man dann noch betrachtet, dass die max Achslast der C-Rekords nicht höher liegt als die des B-Mantas, gibt es technisch keine Hindernisse Manta-Federn auch in den Rekord zu bauen. Was sich dabei auch noch positiv bemerkbar macht ist, dass 40mm Tieferlegungsfedern des Mantas den Rekord um ca 70mm dem Asphalt näher bringt.  Unterstützt wird das tiefergelegte Fahrverhalten der Vorderachse von Spax-Dämpfern.










 

Beim Antriebskonzept habe ich auf alt bewährte Hausmannskost aus dem Opel-Baukastensystem gesetzt. Klar, das äußere Auftreten des Bleches schreit ja eigentlich gerade zu nach einem mehr als dumpfen Blubbern eines 8 Zylinders aus der Big Block Klasse. Und sollte doch noch einmal der Herbst kommen, an dem ich schon weiß, dass ich den ganzen Winter über nur Langeweile habe, werde ich den Umbau wohl auch noch einmal angehen. Aber kommen wir zu aktuellen Version wieder zurück. Die besteht nämlich aus dem 2 Liter Einspritzer und dem 240er Getrag 5-Gang Getriebe. Hierfür waren einige Umbauten am Getriebetunnel nötig und die Kardanwelle mußte aus zwei verschiedenen neu geschweißt werden.

 Der Motor stand einige Jahre unter einer Plane im Vorgarten, doch der Besitzer versicherte, das der aus einem sehr gut laufenden Unfall-Ascona kam und der Preis war mehr als OK. Also habe ich das Überraschungsei mitgenommen. Nach dem Öffnen des Gussklotzes wurde auch wirklich alles bestätigt. Es gab keinen Schlamm und Dreck oder gar große Verschleißerscheinungen. Selbst alle einzelnen Hohnspuren in den Zylindern waren noch mehr als deutlich zu sehen. War also bis jetzt noch nicht wirklich der Kilometerfresser. Darum fiel auch die Entscheidung, dem Motor nur einen kompletten Dichtsatz samt Ventilschaftdichtungen zu verpassen. Die Ventile wurden noch neu eingeschliffen und die Wasserpumpe wurde durch eine neue ersetzt.

Als Ergebnis brachte mir das jetzt einen vorerst ausreichende Vorschub, der mehr als Zuverlässig läuft. Bei normaler Fahrweise ganz moderatem Verbrauch von um die 9 Liter. Klar über Spritsparen zu reden, wird in unserem Hobby oftmals verpönt, aber etliche Kilometer mit Spaß verblasen und sich trotzdem bei nichts einschränken zu müssen, find ich schon gut.



















 

Ganz anders wurde bei der Bremse verfahren. Dort wurde konsequent alles mit Neuteilen bestückt. Was aber auch damit zu tun hatte, dass wegen der Mehrleistung des Motors eh alles eine Nummer größer ausfallen mußte. Angefangen beim Bremskraftverstärker, der für einen 3 Liter Monza bestimmt war, an dem ein 19 Millimeter Bremsgeberzylinder angeflanscht ist. Die Hinterachse bekam neue Bremsbeläge, die Trommeln wurden ausgedreht und es kamen größere Radbremszylinder zum Einsatz. Bleibt halt noch die Vorderachse, an dem die Scheibenbremsanlage vom Opel GT montiert wurde. Das alles mit neuen Bremsleitungen verbunden wurde, ist da wohl nicht extra zu erwähnen.

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Nach guten 45 Jahren, gab es natürlich auch in dem Kabelbaum der Elektrik einiges an Trombose und Venenverengung. Somit wurden einige Kabel komplett ersetzt und auch solche, denen es ab und an ziemlich kuschelig untereinander geworden ist. Es war ja schon ein Wunder, dass der Wagen wegen dem massiven Rostfrass vor unserer Kernsanierung überhaupt noch lebte, aber viel überraschender ist, dass der Wagen nicht vor Jahren schon abgefackelt ist. Der Kabelbaum war hinter dem Sicherungskasten schon eigentlich nur noch ein reiner Klumpen Kumpferlitzen. Einige zusätzliche Kabel kamen auch noch gleich mit rein, schließlich lief der Wagen vorher nur auf Vergaser und die neue Einspritzanlage würde ohne ja konsequent den Dienst verweigern.

 





Blech: check !!!

Technik: check !!!

Konnte man sich also langsam dem Lack widmen.

Der Lackauftrag an sich ist ja nur das Finish, welches ja dabei die einfachste Aufgabe darstellt. Es müssen vorher noch mehr als genug vorbereitende Arbeiten erledigt werden. Nach dem die erste Schicht Grundierung aufgetragen war, ging es ans Spachteln und Schleifen. Sind wir ehrlich, fast alle unsere Blecharbeiten werden wahrster Handarbeit mit den einfachsten Mitteln umgesetzt, eine Abkantbank, eine Dreirollenmaschine oder gar englischem Rad kommt nicht zum Einsatz, einfach weil niemand von uns so etwas besitzt. Oder sagen wir noch nicht. Aus diesem Grund, fallen die Spachtelarbeiten auch etwas umfangreicher aus, aber längst nicht so groß, wie viele immer glauben. Ich hatte für den Wagen den selben Farbton geplant, wie er schon die ganzen letzten Jahre auf dem Blech war.  Doof ist dann halt nur, wenn sich nach dem Auftragen der Farbe ein ganz anderes Grün abzeichnet, als man eigentlich haben wollte.








Kurzzeitig hatte ich auch wirklich den Gedanken das Konzept des Wagens zu ändern und einen „PERSIL“ Laster draus zu machen. Hätte ich damals gewusst, dass ich den Wagen zwei Jahre später eh wieder neu Lackiere, hätte ich das echt gemacht.

 




 


Der Zusammenbau bis zur ersten Probefahrt auf Kurzzeitkennzeichen ( ja das war noch zu Zeiten in denen man Fahrzeuge ohne HU mit Kurzzeitkennzeichen fahren durfte, bis es wie immer einige übertreiben mußten ) war dann natürlich mit der Vorfreude im Bauch in einer guten Woche erledigt. Damals noch ohne Dichtungen an Türen und so weiter. Auch das Dach war noch offen ohne dem Faltdach, was beim Monsterbacke noch in Arbeit war.











Die Probefahrten in den 5 Tagen verliefen ohne größere Probleme, ein paar Kleinigkeiten waren ja nach einer Vollresto zu erwarten. Der Spass bei den Fahrten war natürlich riesig. Ist es doch immer wieder eine Belohnung für die langen und intensiven mit Kippen und Bier geschwängerten Schrauberabende. Um die 400km sind da schon zusammen gekommen. Somit waren die neuen Hausaufgaben klar und die letzten Restarbeiten wie Innenraum ect standen ja auch noch an, um dann in ca 6 Wochen mal zum TÜV vorstellig zu werden. Wie das ganze dann halt immer so ist, kommt immer wieder mehr dazu als gedacht und so mußte tatsächlich bis zum letzten Abend vor dem Besuch zur technischen Abnahme geschraubt werden. Aber als sich morgens um 8.00Uhr die Rolltore bei der TÜV Nord Station öffneten, stand der Wagen pünktlich da um den Prüfern den Kaffee wieder aus dem Gesicht fallen zu lassen.

 

Die Abnahme verlief so gut wie unauffällig, was wohl daran lag, dass vieles natürlich im Vorfeld mit dem Ing. abgesprochen wurde. Und dann kam die verhängnisvolle Probefahrt des Prüfers. Dabei verhakte sich das Gaspedal in Vollgasstellung beim Beschleunigen und anstatt den Schlüssel zu drehen, trat der Prüfer halt nur die Kupplung. Das es dann nur noch einen Bruchteil einer Sekunde brauchte, bis der Motor sich überdreht hatte kann man sich denken. Der Kopf mit Ventiltrieb ect hatte es dabei geschrotet. Zwei Wochen später Stand der Wagen aber wieder mit neuem Kopf und bestandener Prüfung auf dem Hof.  Das war im August, eine Woche bin ich dann noch auf Kurzzeitkennzeichen gefahren und habe in dann bis zum nächsten Frühjahr in die Garage gestellt, ich wollte mir wieder Vorfreude auf Auto holen.

Am 01.04. war es dann soweit, der Wagen war zugelassen und ich bin das ganze Jahr bis zum 31.10. ohne Störungen und Probleme durchgefahren. 










Aber die Farbgebung des Wagens wollte mir nun nicht mehr gefallen und einige Stellen mußten auch noch einmal im Spachtel nachgearbeitet werden. Grund genug also für einen erneuten Farbanstrich. Ein unschuldiges glänzendes Weiß mit kleinen matt grauen Abwechslungen sollte die Basis schaffen.

 













So gefiel mir das schon viel besser, das Blech brüllt in seiner Form schon ziemlich kräftig, da kann die Farbe ruhig etwas zurückhaltender sein, sofern das bei dem Wagen möglich ist.

 

Der aufmerksame Leser wird ein paar Sätze vorher schon den Begriff „Basis“ gelesen haben und sich gedacht haben, dass da dann doch noch etwas kommen muß.  Und richtig, der Monsterbacke und ich hatten uns da noch einen besonderen Woody-Look ausgedacht, mit hochwertigem Kunstleder in Vogelstraußoptik.


 

Mittlerweile läuft die dicke Berta nun schon im vierten Jahr Pannen- und Störungsfrei. Wird also eigentlich mal Zeit für einen neuen Motor, ich finde ja das Blech schreit geradezu nach 8 Zylindern. Na warten wir es ab, der nächste Schrauberwinter kommt bestimmt.

 




 

                                      




Im Herbst 2016 war es dann soweit, irgend wann kommt immer wieder der Punkt, da machst du die Garage auf, siehst den Wagen und denkst:
"Ja immer noch ein geiles Auto, aber ... "
Und dann heißt es, entweder die nächste Umbaustufe angehen oder doch den Wagen weg und was ganz neues.
Und darum steht das Auto nun in der Garage eines neuen Besitzers.
Mal sehen, was bei ihm passiert.